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Posts Tagged ‘WM 2010’

Mittwoch, Halbfinale Deutschland gegen Spanien.

Schon zwei Stunden vor dem Spiel ziehen Fans optimistisch singend durch die Straßen. Die S-Bahnen sind zu 80% gefüllt mit schwarz-rot-gold-gekleideten Leuten, die bei bestem Public Viewing Wetter das Spiel irgendwo draussen geniessen wollen. Die Fantasie bei den Fussball-Accessoires kennt keine Grenzen mehr, vom Babyschnuller bis zur Irokesenperücke in den Nationalfarben. Sogar die fliegenden Pelzmützen-Händler haben Fanartikel in ihr Sortiment aufgenommen.

Überall wo Bildschirme und Leinwände aufgebaut sind, versammeln sich Menschenmassen. Unter die deutschen Fans mischen sich unaufällig auch einige spanische Touristen, die sich das Spiel auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Die Luft flirrt, nicht wegen der Temperaturen, sondern wegen der Spannung und der Vorfreude auf das Spiel, und irgendwie ist eine gewisse Nervosität zu spüren.

Szenenwechsel.

Halb elf Uhr abends, kurz nach Ende des Spiels. Der Fernseh-Moderator faselt ständig was von tollen Perspektiven für diese junge Mannschaft, aber davon will jetzt echt keiner was wissen. Schweigend werden die letzten Schlucke Bier geleert. Gesichter schauen betreten ins Leere, die Entäuschung ist fast so deutlich hineingeschrieben wie bei Maradona vor 4 Tagen, als seine geliebte argentinische Mannschaft ins Aus geschossen wurde.

Die Leute ziehen von dannen, die Fahnen-geschmückten Autos rollen nach Hause. Keine Hupkonzerte und Vuvuzelas heute. Die Flachbildschirme vor den Kneipen werden vorsichtig in Schaumstoff gehüllt und in Kartons verfrachtet. In der vollen Straßenbahn unterhalten sich zwei Mädels und lachen laut. Vorwurfsvolle Gesichter drumherum.

Eine dreiviertel Stunde nach Spielende. Die Leute haben sich wieder einigermaßen gefasst. Die bis jetzt stillen Vuvuzelas fangen wieder vereinzelt an zu tröten, irgendwo sind Knaller zu hören. Und es macht sich die Gewissheit breit: Samstag. Gegen Uruguay um Platz drei. Das wird nochmal ein grandioses Spiel für die Deutschen. Ein Torrausch, ein Schützenfest. Thomas Müller wird der Tor-Held dieser WM werden, Klose wird vielleicht Ronaldo auf der ewigen Torschützenliste einholen, und bestimmt bekommt noch einer der anderen deutschen Youngsters seine verdiente Torchance.

Ganz früh am Morgen, als es anfängt zu dämmern und die ersten Vögel singen, tönen durch die schlafende Stadt von ganz fern die Fangesänge: „DeutSCHland, DeutSCHland“.

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Mittwoch abend gegen 20 Uhr, eine halbe Stunde vor dem Spiel Deutschland gegen Ghana. Die Sonne hat endlich den Kampf gegen die Wolken überwunden und taucht die Stadt nach einem wolkig-kühlen Sommertag in überschwengliches warmes Abendlicht.

Die Autos auf den Straßen rollen zügig, irgendwie zügiger als sonst, um noch rechtzeitig den geplanten WM-Guck-Platz zu erreichen, aber voller Vorfreude und deutlich weniger gereizt als sonst. Die Straßenbahn fegt bei der Einfahrt in die Haltestelle um die Kurve und fährt 2 Minuten früher ab als im Fahrplan steht, hui! Auch der Tram-Fahrer will offensichtlich schnell noch irgendwohin wo es Fußball zu sehen gibt.

Sogar Geschäftsleute in Anzug und Krawatte tragen jetzt schon auf offener Straße Bierflaschen bei sich – noch ungeöffnet, versteht sich – und trommeln mit ihrem goldenen Ehering erwartungsfroh auf dem Verschluss herum. Im Supermarkt tummeln sich die Leute mit Getränken und Knabbereien vor der Kasse, bevor sie draußen zielstrebig davoneilen.

5 Minuten vor halb neun, kurz vor Beginn des Spiels. Die Straßen haben sich größtenteils geleert, die meisten Leute haben ihren Fernseh- oder Public Viewing-Platz eingenommen. Die Straßenbahnen fahren wieder gesittet nach Plan. Im Supermarkt langweilen sich die Kassiererinnen in den leeren Gängen. Ein paar einzelne Vuvuzelas tröten fröhlich in den Abendhimmel. Gleich geht’s los!

Szenenwechsel.

Sonntag nachmittag um halb vier, eine halbe Stunde vor dem Achtelfinal-Spiel Deutschland gegen England. Ein sonnig-warmer Sommertag mit blauem Himmel und nur einzelnen kleinen weißen Wölkchen. Am Volkspark Friedrichshain laufen die Leute in genau zwei Richtungen: entweder zielstrebig aus dem Park heraus, wahrscheinlich um zuhause das Spiel zu gucken. Oder zielstrebig in den Park hinein, wahrscheinlich zum Public Viewing im Biergarten am Café Schönbrunn.

Der weitläufige Park scheint völlig verwaist. Dort wo sonst bei warmem Wetter die Massen dicht an dicht die Wiesen bevölkern und grillen, Ball spielen oder lesen und quatschen, haben sich jetzt nur ein paar vereinzelte Leute weit verteilt und genießen die Stille.

Hinter dem Hügel auf dem Weg zum großen Ententeich hört man dann schon, wie die Stimme des Fernsehmoderators die Wasserfontäne und den sprudelnden Brunnen übertönt. Hier kommen die ganzen Massen geballt wieder zum Vorschein: Alles sammelt sich um die Bildschirme im Biergarten.

5 Minuten vor vier, kurz vor Beginn des Spiels. Die langen Schlangen vor den Grill-, Bier- und Eiswagen werden kürzer, die Leute nehmen ihre Plätze ein. Trotz vieler Köpfe hat bald jeder seine Sichtlücke gefunden, durch die er das Geschehen auf dem Bildschirm bequem verfolgen kann. Ein paar Spatzen lassen sich vom Lärm nicht stören und fegen über die Köpfe hinweg. Die Nationalhymne erklingt. Es kann losgehen!

Halbzeitpause. Die Leute strömen wieder zu den Grill-, Bier- und Eiswagen. Leute mit Sonnenplatz versuchen sich mit Flaggen, Tüchern und gefalteten Flyern provisorische Sonnenhüte zu basteln, damit die Köpfe nicht noch roter werden. Im Fernsehen werden nochmal die spannendsten Szenen gezeigt, bevor es in die nächste Halbzeit geht.

Kurz nach 18 Uhr. Fröhlich stehen die Leute auf, einige verteilen sich so langsam wieder im Park. Andere lauschen noch den Fernsehkommentaren und Interviews. Jetzt trauen sich sogar die vereinzelten Vuvuzelas ein paar Töne zu machen, ihre Inhaber wären wahrscheinlich geköpft worden, hätten sie das spannende Spiel mit ihrem Lärm gestört. Vier-eins gewonnen, wer hätte das gedacht. In der Umgebung werden die Grills angeschmissen und die eigentliche Abendparty beginnt.

[Fortsetzung folgt]

PS. Schöne Spielkommentare gibt’s bei Spreeblick.

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