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Archive for the ‘Stadtgeschichten’ Category

Ich war auf dem Weg vom Berliner Schlossplatz in Richtung Unter den Linden, als Polizisten aus heiterem Himmel die komplette Straße absperrten und sich Mannschaftswagen mit Blaulicht am Straßenrand sammelten. Die Touristenbusse bogen in die Nebenstraßen ab, und auf den BVG-Anzeigetafeln erschien kurze Zeit später der Hinweis „Wegen einer Demonstration hier kein Busverkehr.“

Was nun?

Spontan beschloss ich, einen kleinen Abstecher zur Friedrichswerderschen Kirche zu machen, die ein bisschen verloren und abseits der Flaniermeile zwischen Hedwigskathedrale und Außenministerium liegt.

Was ich dort entdeckt habe:

Dass zwischen Wiesen und Brachflächen der Schinkelplatz mit diversen Monumenten angelegt wurde, den man von der Straße gar nicht wahrnimmt. Dass gleich neben der Kirche ein sehr schöner Brunnen mit kleinen spielenden Bärenfiguren steht. Dass die Kirche in der niedrigstehenden Herbstsonne tolle Fotomotive bietet. Und dass die Kirche gar keine Kirche ist, sondern ein kleines Schinkel-Museum: mit Skulpturen und Schautafeln zu seinem Leben und Bauprojekten (Eintritt frei).

Zufälligerweise ist nicht nur die Kirche, sondern auch die provisorische Bauakademie nebenan und das Alte Museum von Schinkel gebaut worden.

Und so sind aus diesem kleinen Abstecher nicht nur ein paar schöne Fotos entstanden, sondern gleichzeitig ein kurzer, aber äußerst anschaulicher Einblick in ein Stück Berliner Baugeschichte. Unbedingt mal hingehen!

Schinkelplatz und Friedrichswerdersche Kirche

Schinkelplatz und Friedrichswerdersche Kirche

In der Friedrichswerderschen Kirche

In der Friedrichswerderschen Kirche

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Er war ja vorhergesagt, und dementsprechend habe ich einen Schirm dabei.

Der Regen prasselt so heftig, dass man aus der fahrenden Straßenbahn kaum noch die Häuser am Straßenrand erkennen kann. Beim Aussteigen bekomme ich die erste kräftige Dusche, obwohl ich von der Tür direkt unter das schützende Dach der Haltestelle springe.

Es sind 300 m von der Haltestelle bis nach Hause. Schirm auf – und los geht’s.

Nach 10 m kriecht die Nässe schon in meine Schuhe. Nach 30 m schlackert die Jeans klitschnass um die Knöchel. Nach 50 m muss ich mich entscheiden: entweder durch tiefe Pfütze oder durch hohes nasses Gras auf matschigem Untergrund. Ich nehme die Pfütze – einmal kräftig eintunken bitte. Die Schuhe haben den Kampf gegen das Wasser verloren, aber das ist jetzt auch egal.

Bei 150 m grummelt der Donner, und ganz am Ende der Straße ist ein heller Streifen Himmel zu sehen. Mittelgroße Bäche stürzen die Straße hinunter, bis sie in den Gullys landen, die gierig schlürfend das Wasser entgegennehmen. Als ob sie die letzten Wochen nichts zu tun gehabt hätten!

Bei 250 m lässt auf einmal der Regen nach. Die letzten Meter tropft es nur noch von den Bäumen, bis ich vor der rettenden Haustür stehe. Wenigstens hat der Regenschirm die Frisur und den Kuchen vor größeren Schäden bewahrt…

10 Minuten später, Blick aus dem Fenster: Rötliche gefärbte Wölkchen schieben sich über den aufreißenden Himmel und bilden mit den letzten dunkelgrauen Wolkenresten eine toll anzuschauende Szenerie.

Na schönen Dank auch.

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Ich liebe Brot und Brötchen und bin jemand, der sich nach Auslandsreisen unglaublich darüber freut, zuhause wieder „richtiges“ Brot essen zu können. Nachdem die alt-eingesessenen Bäckereien sowie Bio-Bäcker seit mehreren Jahren eine zunehmende Nachfrage verzeichnen können, hier ein paar Lieblingsbäcker in Berlin-Friedrichshain und Prenzlauer Berg.

Der Qualitätsunterschied zu Filialbäckern (und Supermarktbäckern sowieso) ist teilweise so gravierend, dass ich inzwischen gern einen Umweg oder eine Extratour fahre, um „richtige“ Brötchen zu bekommen.

Vollkornbäckerei Hartwich
Warschauer Straße 72, 10245 Berlin – Friedrichshain
Tram M10 Grünberger Str./Warschauer Str.
http://www.qype.com/place/195714-Vollkornbaeckerei-Hartwich-Berlin

Sieht von aussen relativ unscheinbar aus, und auch innendrin setzt sich der Eindruck fort. Die Brötchen sind aber unglaublich lecker. Meine Favoriten: Die Walnussbrötchen mit ganzen Nüssen drin, und die Apfelbrötchen, ebenfalls mit großen Apfelstücken drin, die für einen intensiven und frischen Geschmack sorgen. Außerdem sehr löblich: Die langen Öffnungszeiten bis abends 20 Uhr bzw. Samstags 18 Uhr. Sonntags ist leider zu.

Bäckerei Siebert
Schönfließer Straße 12, 10439 Berlin – Prenzlauer Berg
zwischen U-Bhf Schönhauser Allee und S-Bhf Bornholmer Straße
Achtung: Samtags nur bis mittags geöffnet, Sonntags und Montags geschlossen.
http://www.qype.com/place/3059-Baeckerei-Siebert-Berlin

Die Bäckerei gibt es bereits seit 1906. In dem sehr kleinen Verkaufsraum stapeln sich leckere Brote, Brötchen und Kuchen. Drei freundliche und schnelle Verkäuferinnen sorgen dafür, dass die Schlange draussen nicht zu lang wird, und trotzdem scheint der Andrang der Käufer nicht abzureissen. Mein Favorit: Das Kürbiskernbrot schmeckt so lecker, dass sich die Pseudo-Kürbiskernbrote aus dem Supermarkt meiner Meinung nach nicht mal mehr so nennen dürften. Und es bleibt mehrere Tage lang frisch. Toll!

Bäckerei und Konditorei Lau
Pasteurstraße 32, 10407 Berlin – Prenzlauer Berg im Bötzowviertel, Nähe Volkspark-Friedrichshain
http://www.qype.com/place/20793-Baeckerei-und-Konditorei-Bernd-Lau-Berlin

Auch hier sind regelmäßig lange Schlangen garantiert, und zu Stoßzeiten sind ebenfalls drei fleissige Verkäuferinnen am Werk. Diese Bäckerei ist dafür bekannt, die hellen Schrippen nach „Ost“-Rezept zu backen, was sie besser schmecken lässt als die ganzen anderen hellen und luftgefüllten Brötchen. Sonntags ist nur am Nachmittag geöffnet – genau richtig um sich mit Sonntagskuchen zu versorgen.

Marias Bio
Petersburger Straße 38, 10249 Berlin-Friedrichshain
Tram M10 Straßmannstr. bzw. Landsberger Allee/Petersburger Str.
http://www.qype.com/place/1919693-Marias-Bio-Berlin

Ein kleiner und sympathischer Bio-Laden, der vor einigen Wochen erst eröffnet hat. Neben einem Sortiment aus diversen Bioprodukten werden auch Backwaren aus regionalen Vollkornbäckereien verkauft, ergänzt um einige selbst gebackene Kuchen. Das Angebot ist überschaubar, aber sehr verführerisch. Meine Favoriten: die Sonnenblumenbrötchen sind ein Traum, und genauso die Mandelschnitten – ähnlich wie Bienenstich, nur noch intensiver im Geschmack, aber nicht ganz so süß.

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Auf dem Gelände des ehemaligen „Planet“ Clubs am Spreeufer Berlin-Kreuzberg entsteht offensichtlich eine neue Strandbar. Auf dem Innenhof des vor-sich-hin-bröckelnden alten Backsteingebäudes in der Köpenicker Straße wird fleissig gebaut und gebastelt: Stege und Sitzbänke sind schon ansatzweise erkennbar.

Strandbar im Bau - am ehemaligen Planet-Club

Strandbar im Bau - am ehemaligen Planet-Club

Das Gelände liegt vom Wasser aus gesehen gleich rechts neben dem Kiki Blofeld und befindet sich damit in bester Gesellschaft. Der Uferbereich der ehemaligen Bar 25 auf der anderen Seite der Spree (schräg gegenüber) ist dagegen inzwischen vollständig geräumt und platt gemacht.

Spreeufer, ehemals Bar 25 Gelände

Spreeufer schräg gegenüber, ehemals Gelände der Bar 25

Das Gelände an der Köpenicker Straße wird vielen älteren Clubgängern noch gut bekannt sein: Anfang der neunziger Jahre befand sich hier der legendäre Club „Planet“, dessen Betreiber später das E-Werk eröffneten, nachdem der Planet geschlossen war. Mitte der neunziger Jahre erlebte der Club ein Revival, indem die Location u.a. für Drum’n’Bass Parties genutzt wurde, und auch Rhythm & Sound (Basic Channel) lieferten hier einige großartige Sets ab.

Nun also wird das Gelände mit einer Strandbar wiederbelebt – wir freuen uns jetzt schon auf den Sommer am Wasser!

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Mittwoch, Halbfinale Deutschland gegen Spanien.

Schon zwei Stunden vor dem Spiel ziehen Fans optimistisch singend durch die Straßen. Die S-Bahnen sind zu 80% gefüllt mit schwarz-rot-gold-gekleideten Leuten, die bei bestem Public Viewing Wetter das Spiel irgendwo draussen geniessen wollen. Die Fantasie bei den Fussball-Accessoires kennt keine Grenzen mehr, vom Babyschnuller bis zur Irokesenperücke in den Nationalfarben. Sogar die fliegenden Pelzmützen-Händler haben Fanartikel in ihr Sortiment aufgenommen.

Überall wo Bildschirme und Leinwände aufgebaut sind, versammeln sich Menschenmassen. Unter die deutschen Fans mischen sich unaufällig auch einige spanische Touristen, die sich das Spiel auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Die Luft flirrt, nicht wegen der Temperaturen, sondern wegen der Spannung und der Vorfreude auf das Spiel, und irgendwie ist eine gewisse Nervosität zu spüren.

Szenenwechsel.

Halb elf Uhr abends, kurz nach Ende des Spiels. Der Fernseh-Moderator faselt ständig was von tollen Perspektiven für diese junge Mannschaft, aber davon will jetzt echt keiner was wissen. Schweigend werden die letzten Schlucke Bier geleert. Gesichter schauen betreten ins Leere, die Entäuschung ist fast so deutlich hineingeschrieben wie bei Maradona vor 4 Tagen, als seine geliebte argentinische Mannschaft ins Aus geschossen wurde.

Die Leute ziehen von dannen, die Fahnen-geschmückten Autos rollen nach Hause. Keine Hupkonzerte und Vuvuzelas heute. Die Flachbildschirme vor den Kneipen werden vorsichtig in Schaumstoff gehüllt und in Kartons verfrachtet. In der vollen Straßenbahn unterhalten sich zwei Mädels und lachen laut. Vorwurfsvolle Gesichter drumherum.

Eine dreiviertel Stunde nach Spielende. Die Leute haben sich wieder einigermaßen gefasst. Die bis jetzt stillen Vuvuzelas fangen wieder vereinzelt an zu tröten, irgendwo sind Knaller zu hören. Und es macht sich die Gewissheit breit: Samstag. Gegen Uruguay um Platz drei. Das wird nochmal ein grandioses Spiel für die Deutschen. Ein Torrausch, ein Schützenfest. Thomas Müller wird der Tor-Held dieser WM werden, Klose wird vielleicht Ronaldo auf der ewigen Torschützenliste einholen, und bestimmt bekommt noch einer der anderen deutschen Youngsters seine verdiente Torchance.

Ganz früh am Morgen, als es anfängt zu dämmern und die ersten Vögel singen, tönen durch die schlafende Stadt von ganz fern die Fangesänge: „DeutSCHland, DeutSCHland“.

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Mittwoch abend gegen 20 Uhr, eine halbe Stunde vor dem Spiel Deutschland gegen Ghana. Die Sonne hat endlich den Kampf gegen die Wolken überwunden und taucht die Stadt nach einem wolkig-kühlen Sommertag in überschwengliches warmes Abendlicht.

Die Autos auf den Straßen rollen zügig, irgendwie zügiger als sonst, um noch rechtzeitig den geplanten WM-Guck-Platz zu erreichen, aber voller Vorfreude und deutlich weniger gereizt als sonst. Die Straßenbahn fegt bei der Einfahrt in die Haltestelle um die Kurve und fährt 2 Minuten früher ab als im Fahrplan steht, hui! Auch der Tram-Fahrer will offensichtlich schnell noch irgendwohin wo es Fußball zu sehen gibt.

Sogar Geschäftsleute in Anzug und Krawatte tragen jetzt schon auf offener Straße Bierflaschen bei sich – noch ungeöffnet, versteht sich – und trommeln mit ihrem goldenen Ehering erwartungsfroh auf dem Verschluss herum. Im Supermarkt tummeln sich die Leute mit Getränken und Knabbereien vor der Kasse, bevor sie draußen zielstrebig davoneilen.

5 Minuten vor halb neun, kurz vor Beginn des Spiels. Die Straßen haben sich größtenteils geleert, die meisten Leute haben ihren Fernseh- oder Public Viewing-Platz eingenommen. Die Straßenbahnen fahren wieder gesittet nach Plan. Im Supermarkt langweilen sich die Kassiererinnen in den leeren Gängen. Ein paar einzelne Vuvuzelas tröten fröhlich in den Abendhimmel. Gleich geht’s los!

Szenenwechsel.

Sonntag nachmittag um halb vier, eine halbe Stunde vor dem Achtelfinal-Spiel Deutschland gegen England. Ein sonnig-warmer Sommertag mit blauem Himmel und nur einzelnen kleinen weißen Wölkchen. Am Volkspark Friedrichshain laufen die Leute in genau zwei Richtungen: entweder zielstrebig aus dem Park heraus, wahrscheinlich um zuhause das Spiel zu gucken. Oder zielstrebig in den Park hinein, wahrscheinlich zum Public Viewing im Biergarten am Café Schönbrunn.

Der weitläufige Park scheint völlig verwaist. Dort wo sonst bei warmem Wetter die Massen dicht an dicht die Wiesen bevölkern und grillen, Ball spielen oder lesen und quatschen, haben sich jetzt nur ein paar vereinzelte Leute weit verteilt und genießen die Stille.

Hinter dem Hügel auf dem Weg zum großen Ententeich hört man dann schon, wie die Stimme des Fernsehmoderators die Wasserfontäne und den sprudelnden Brunnen übertönt. Hier kommen die ganzen Massen geballt wieder zum Vorschein: Alles sammelt sich um die Bildschirme im Biergarten.

5 Minuten vor vier, kurz vor Beginn des Spiels. Die langen Schlangen vor den Grill-, Bier- und Eiswagen werden kürzer, die Leute nehmen ihre Plätze ein. Trotz vieler Köpfe hat bald jeder seine Sichtlücke gefunden, durch die er das Geschehen auf dem Bildschirm bequem verfolgen kann. Ein paar Spatzen lassen sich vom Lärm nicht stören und fegen über die Köpfe hinweg. Die Nationalhymne erklingt. Es kann losgehen!

Halbzeitpause. Die Leute strömen wieder zu den Grill-, Bier- und Eiswagen. Leute mit Sonnenplatz versuchen sich mit Flaggen, Tüchern und gefalteten Flyern provisorische Sonnenhüte zu basteln, damit die Köpfe nicht noch roter werden. Im Fernsehen werden nochmal die spannendsten Szenen gezeigt, bevor es in die nächste Halbzeit geht.

Kurz nach 18 Uhr. Fröhlich stehen die Leute auf, einige verteilen sich so langsam wieder im Park. Andere lauschen noch den Fernsehkommentaren und Interviews. Jetzt trauen sich sogar die vereinzelten Vuvuzelas ein paar Töne zu machen, ihre Inhaber wären wahrscheinlich geköpft worden, hätten sie das spannende Spiel mit ihrem Lärm gestört. Vier-eins gewonnen, wer hätte das gedacht. In der Umgebung werden die Grills angeschmissen und die eigentliche Abendparty beginnt.

[Fortsetzung folgt]

PS. Schöne Spielkommentare gibt’s bei Spreeblick.

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Als Berliner ist man es ja gewohnt, diversen Stadttieren zu begegnen oder zumindest regelmäßig in der Zeitung zu lesen, dass Wildschweine wieder irgendwelche Vorgärten oder Mülltonnen geplündert haben, Waschbären heimisch werden, oder Füchse durch belebte Parks oder auch mal über die Straße latschen. Marder sowieso.

Ich habe mich dagegen besonders über die Eichhörnchen gefreut, die bis vor kurzem regelmäßig ins Küchenfenster gelugt haben. Dank eines großen Ahorn-Baumes im Hof mit offensichtlich leckeren Knabber-Samen hatte ich wochenlang morgens zum Frühstück immer Stammgäste – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Eichhörnchen-Pärchen war jeden Tag um die gleiche Zeit im Baum unterwegs und ließ sich auch von Bauarbeiten am Nachbarhaus nicht wirklich stören.

Lustig anzusehen wie sie flink über die dünnsten Zweige flitzten und sich dann niederließen, um genüßlich ihr Frühstück zu verknuspern, das sie mit den Vorderpfötchen festhielten. Dann schnell zum nächsten Ast oder ein Stück hoch oder runter flitzen, um zum nächsten Futter zu gelangen. Und so weiter.

Seit zwei Wochen ist der Baum allerdings verwaist, wahrscheinlich weil er so gut wie leergefressen ist. Schade, irgendwie vermisse ich sie…

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